Erinnerungen 2

11.04.2020

Die Schuhputz-Kids von Santo Domingo.


Fortsetzung der Erinnerungen vom 07. April 2020. Sie putzen den Touristen und Einheimischen, auf der Straße die Schuhe. Nach der Schule und um Ihre Familien zu ernähren. Sie heißen Ramon, Elibert, Martin oder Tito und sind 9 bis 15 Jahre alt.


Leben tun sie mit ihren Familien in kleinen selbst gezimmerten Behausungen in Elendsviertel, z.B. am versifften, stinkigen Fluss „Rio Ozama“, der die gesamte Hauptstadt-Kloake ins karibische Meer schwemmt. Dort unter einer darüber führenden Verkehrsbrücke, wo die ganze Zeit Autos und Lkws drüber fahren. In diesem Viertel ist die Kriminalität enorm hoch und  ständig gibt es Schiessereien und werden Leute von der Polizei gesucht. So auch am Tag unseres Besuches. Diese Kids haben kaum eine Chance aus diesem Kreislauf auszubrechen, so sehr sie sich auch anstrengen mögen.


Aber so paradox es sich anhören mag, ihnen geht es noch verhältnismäßig gut, verglichen mit anderen Kindern  in Santo Domingo, über die ich in einem der nächsten Blogs berichten werde.


Erinnerungen

07.04.2020

Die Schuhputz-Kinder von Santo Domingo.


Wie auch viele meiner Kollegen habe ich gerade V I E L  Z E I T zur Verfügung. Genutzt wurde sie von mir bisher, zum Neubau dieses Blogs und meiner neuen Webseite, Pflege des Bildarchivs nebst Entsorgung überflüssiger Bild- und Originaldateien, sowie alten Negativen und/oder Dias.


Dabei fallen einem schon mal kleine „Schätze“ in die Hände. Wie z.B. diese Reportage über die Schuhputzkinder von Santo Domingo in der Dominikanischen Republik aus dem Jahr 1993.


Mit meinem Kollegen Michael Neher bin ich in einer Nacht- und Nebel-Aktion in die Dominikanische Republik geflogen um dort über gestrandete deutsche Urlauber, nach der Pleite eines Reiseunternehmens, zu berichten. Die Urlauber waren aber schon kurz danach wieder „Schnee von gestern“. 

Da noch gut eine Woche bis zum Rückflug anstand, haben wir uns eine weitere Geschichte gesucht und auch gefunden.


Nach der Schule werden nicht etwa sofort die Hausaufgaben gemacht, sondern das Putzzeug geholt und „Shoeshinning“ ist angesagt. Dann werden bei Einheimischen sowie Touristen die Schuhe geputzt.


Damit tragen sie maßgeblich zum kargen Familieneinkommen bei, oder sind sogar die einzige Einnahmequelle.


Wir durften auch mit Titos und Michaelis nach Hause gehen, wo ihre Mutter Aloni (42) und die zahlreichen Geschwister, auf sie warteten. In einer winzigen Hütte mit zwei Räumen leben und schlafen 11 Personen.


Ohne Strom und fliessend Wasser oder anderen, uns bekanntem und vertrautem Komfort.


Eine weitere traurige Geschichte aus der Domrep wird folgen…

Aufräumen

03.04.2020

Vier Alukoffer, mit 2200 DVDs und insgesamt 9,46 Terabyte an Fotodaten. Fast alle diese Datenträger lade ich nun schon seit Monaten zurück auf einen Server.


Seit Covid-19 und dem reichlichen Zeitfaktor, geht es viel schneller und der letzte Koffer ist bald dran. Von den fast 9,5 Terabyte an RAW-Daten werden nach der Sichtung wohl nur etwa 2-3 Terabyte übrig bleiben. Alles überflüssige wird gelöscht.


Ein ähnliches Schicksal erleiden, nicht mehr ganz so zahlreich vorhandene, Dias und Negative, allerdings nicht ohne vorher eingescannt zu werden.

Im Zeitalter der Digitalisierung wirken Filmnegative oder Dias wie ein Relikt aus dunkelster Vergangenheit, obwohl es doch „lediglich“ ca. 25 Jahre her ist, dass ich Digitalkameras nutze.


Von der schlechten Qualität der Filme und Dias will ich gar nicht erst anfangen. Dafür würde man heute keinen Cent Honorar bekommen.

Was glücklich macht...

30.03.2020

Was macht uns glücklich und was nicht? Eine interessante Frage in diesen Tagen.


Für mich ist das Glas eher halb voll als halb leer, auch und gerade in diesen schwierigen und ungewohnten Tagen von Covid-19. Ich gebe zu, ich fühle mich etwas im Vorteil. Es hat mir als Kind schon wesentlich mehr Spaß gemacht mich zu Hause aufzuhalten als im Freien herum zu toben.


Natürlich fand ich es auch mal ganz spannend mit anderen Jungs zu kicken oder mit der Familie an den Strand zu gehen, aber zu Hause fand ich es schon immer am schönsten.


In aller Ruhe ein Buch von Anfang bis Ende durch zu lesen, war für mich das Größte. Eine Reizüberflutung durch externe Inhalte war in den 1960er und 70er-Jahren in Portugal nicht möglich. Dort bin ich geboren und habe ich fast bis zum 11. Lebensjahr gelebt.


Fernsehen (ausschliesslich 1 Kanal) war nur in Schwarz-weiß möglich, Radio für ein Kind eher nichts, Internet und soziale Netze oder Medien noch nicht erfunden. Also war Selbstbeschäftigung angesagt.


Meine Mutter als selbstständige Schneiderin und Hauptverdienerin im Haus, hatte nach der Schule keine Zeit sich mit mir zu befassen und ich fand es auch nicht weiter schlimm, denn allein konnte man sich viel besser etwas ausdenken, ohne dass einem jemand dazwischen funkte.


Mein Vater fuhr damals, auf Handelsschiffen, zur See und kam nur einmal im Jahr nach Hause. Meine 4 Jahre jüngere Schwester war noch viel zu klein um mit mir zu spielen. Also überlegte ich mir immer wieder womit ich mich am besten beschäftigen konnte und was mir Spaß machen würde.


Diese Fähigkeit begleitet mich bis heute, worüber ich sehr glücklich bin. Wenn ich mich ab und zu mit den sozialen Netzwerken befasse und manche Kommentare lese, dann macht mich das teils nachdenklich und traurig, dass so viele Menschen nicht ohne diese ständige Reizüberflutung auskommen. Was machen wir heute? Wie fülle ich meinen Tag aus? Was kann ich mir anschauen? Was wird mir heute an Entertainment geboten? Jede Sekunde ist verplant.


Diese Fragen stellen sich zur Zeit nicht, jedenfalls für die meisten. Menschen, die im Alltag voll eingespannt sind und sehr oft über Zeitmangel klagen. Sie haben nun Zeit im „Überfluss“, aber wohin damit?


Ich hoffe und wünsche mir, dass diese schwierige Situation ein wenig dazu führt, dass wir alle uns bewusster werden über die Tatsache, dass das Leben an sich, das wertvollste Gut ist das wir besitzen. Ungeachtet dessen wie viel Zeit wir, womit auch immer verbringen.


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